Die Linde





Linde ( altgermanisch ) Tilia. Ich bin wohl Euer ältester Hausbaum. Uns gibt es mit etwa fünfundzwanzig Arten in der nördlich gemäßigten und suptropischen Zone. In Deutschland heimisch sind wir nur zu zweit. Ich die Winterlinde ( Tilia cordata ) habe unbehaarte Blätter die oben dunkelgrün, unten bläulichgrün und bis zu zehn cm lang werden. Ich blühe erst Ende Juni und kann bis zu dreißig Meter hoch und siebenhundert bis eintausendzweihundert Jahre alt werden.

Hallo, und ich bin die Sommerlinde ( Tilia platyphyllos ) blühe vierzehn Tage früher, habe hellere weißlich bärtige Blätter, ich kann bis zu vierzig Meter hoch werden. Unsere wertvollen Lindenblüten bekommt Ihr von uns beiden, dank ihrer schweißtreibenden Kraft läßt sich manch dicke Erkältung vermeiden. Also kocht Lindenblütentee und der Schnupfen tut nur noch halb so weh. Dass unsre Blüten wohlriechen haben Eure Nasen schnell entdeckt, und drum sie in Bade – und Mundwasserfläschchen gesteckt.

Unser mittelschweres und weiches Holz ist gelblich bis rötlichweiß, und findet Verwendung in der Bildschnitzerei, für Hut- und Gußmodelle, Reißbretter, im Orgelbau und zu Drechselwaren. Ich die Sommerlinde schwinde etwas stärker, bin dafür aber biegsamer als meine Schwester, die Winterlinde. Kulturgeschichtlich galten wir den alten Römern und Slawen als heilige Bäume. Kohlenreste alter Grabhügel zeigen, dass man zum Verbrennen der Toten mit Vorliebe unser Holz verwendete. Schon im frühen Mittelalter waren wir sehr verbreitet, das könnt Ihr an Orts – und Personennamen feststellen. Ihr habt Marien – und Heiligenbilder, und wie jeder weiß, jede Menge Krippenfiguren aus uns geschnitzt. Kathetralen des Mittelalters zeigen ab und zu lindenförmigen Blattschmuck, zum Beispiel, der Baldachin über dem Marburger Grab der heiligen Elisabeth. So habt Ihr uns in Eure Kunst miteinbezogen, und ein wenig unsterblich gemacht.

Auch im Volksbrauch spielten wir eine große Rolle, so galten wir den Liebenden als Lieblingsbaum,davon zeugt manch Herz auf unserm Bauch. Kinder tanzten und sangen die Lieder, die Ihr einst so viel habt über uns geschrieben. Weiter dienten wir Euch als Gerichts – Burg – Dorf – Brunnen und auch Friedhofswächter. Freundschaft tat immer mit Euch uns verbinden, noch heut auf Dorfplätzen könnt Ihr uns finden. Elfen, Kobolde und Gnomen auch heute noch in unseren Wurzeln wohnen. Und seid Ihr ganz leis, dann kann ich versichern – hört Ihr sie tuscheln, schwatzen und kichern.