Wie entstehen wir



Beim Schnitzen meiner Holzköpfe lasse ich mich einzig und allein von meiner Intuition leiten. Sich nichts vornehmen, sondern werden lassen was werden soll. Ein Stück Lindenholz nehmen, den Geruch wahrnehmen und einfach Lust aufs Schnitzen bekommen ist jedesmal der Beginn einer neuen Puppe. Holz - Messer - Gefühl - ist das was ich zum Arbeiten brauche. Für mich ist eine Wundertüte zu öffnen ein ähnliches Gefühl, ich weiß vorher nur , dass eine Überraschung heraus kommt.

Und so gelingen mir meine Köpfe ganz nach meiner eigenen Tagesform, mal verschmitzt, lachend, traurig - aber auch erstaunt oder zornig. Nachdem ein Kopf fertig ist, bekommt er „ seine Hände und Füße „ . Jeder Finger jede Zehe wird auch hier immer etwas anders. Niemals schnitze ich mehrere Köpfe, Hände oder Füße hintereinander , nein ich lasse mich voll und ganz nur auf die eine, entstehende Puppe ein. Während ich arbeite und sie wächst, entsteht zwischen uns etwas Vertrautes.

Nun nach dem Schnitzen ist schleifen angesagt, eine staubige langwierige wenig kreative Prozedur. Mit Sandpapier glätte ich meine Holzteile und meinen Daumen. Die Belohnung dafür kommt dann in Form von Pinsel und Farben, und es wird noch mal spannend. Denn das Malen des Gesichtes, besonders der Augen wird entscheiden wie sich meine Puppe weiter entwickelt, nun sieht mich mein Kopf zum ersten Mal an, ich sehe - erkenne einen Charakter, eine Laune, manchmal ein freches Zwinkern. Später, nachdem ich einen Körper aus stabilem Leinen angefertigt habe, nähe ich den zuvor gewachsten Kopf, die Hände und die Füße ein.

Ist es nun „ Pauline „ oder ist es „ Paul „? Blond, rot oder Braun ? Eine Entscheidung die vielmehr von meiner Puppe selbst, als von mir bestimmt wird. Und so mache ich ihr oder ihm aus Ziegenhaaren eine „ typgerechte „ Frisur. Um den Charakter meiner Holzpuppe zu unterstreichen, bestimmt Natürlichkeit die Bekleidung in Material und Farbe. Hose oder Rock nähe ich aus Leinen oder Baumwolle, teilweise handgewebt und pflanzengefärbt. Den Pullover stricke ich aus Schafwolle, Alpaka oder Baumwolle. Nachdem sie angekleidet ist, durchstöbere ich alte Stammbücher oder mein eigenes Sammelsurium nach einem passenden Namen, der immer nur einmal vergeben wird.

Meine nun fertige Holzpuppe ist ein Einzelwesen genau wie die Gruppe Holzpuppen die sie schon erwartet. Setze ich sie nun zu den anderen, so scheint mir ich höre wie sich begrüßen und allerlei zu erzählen haben. Warum eigentlich nicht? Schließlich sind sie eine Familie.